Silberlinie





Tagebuchaufzeichnungen Teil 15

Im Wohnraum liegt der Fokus auf dem Boden. Der alte Teppichboden wird entfernt, zusammengerollt, abtransportiert. Wege zur Entsorgung werden organisiert, Beträge notiert, Telefonnummern festgehalten. Die neue Ware wird bestellt, Lieferung und Verlegung getrennt kalkuliert.

Quadratmeterzahlen stehen im Raum, ebenso offene Zeitfenster. Mehrere Beträge ergeben eine Summe, die nicht kommentiert wird. Die Tätigkeit bleibt sachlich, sie füllt den Raum, ohne ihn zu verändern.Parallel dazu liegt Schriftverkehr vor. Juristische Formulierungen benennen Folgen eines Unfalls, der nicht erzählt wird. Es geht um Nachweise, um Dauer, um die Folgerichtigkeit der Symptome. Mein Körper erscheint darin als geschädigt, in seiner Funktion eingeschränkt, dauerhaft betroffen. Die Sprache bleibt technisch. Die Beschreibung ersetzt keine Erfahrung, sie fixiert einen Zustand.

Mein Körper ist seitdem von einer urologischen Störung geprägt, die nicht episodisch ist, sondern konstant. Die Steuerung der Blasenfunktion gilt als beeinträchtigt, die Konsequenzen werden benannt, ohne Steigerung, ohne Relativierung. Inkontinenz wird als chronisch geführt, als Zustand, der den Alltag strukturiert. Ergänzend wird eine psychisch-mentale Veränderung beschrieben, ausgelöst durch das Trauma selbst oder durch die Verletzung des Gehirns. Gedächtnis, Konzentration, Stimmung gelten als betroffen. Die Begriffe stehen nebeneinander, ohne Hierarchie. Diese Feststellungen stehen nicht isoliert.

Sie sind eingebettet in Anträge, Nachweise, telefonische Klärungen. Quartale werden zusammengetragen, der medizinische Dienst wird eingeschaltet. Ein Pflegegrad wird festgestellt. Das Ergebnis wird vermerkt, nicht bewertet. Zwischen diesen Vorgängen laufen Bestellungen.

Schuhe werden online gekauft, Alternativen geprüft, Rücksendungen vorbereitet. Zahlungsbestätigungen werden abgelegt. Haushaltsgeräte werden ausgewählt, geliefert, teilweise weiterverkauft. Ein Staubsauger wechselt den Besitzer, ein Kochfeld wird eingeplant. Plattformen wie eBay dienen der Weitergabe von Dingen, die nicht mehr gebraucht werden oder einen anderen Wert annehmen sollen. Kunst taucht als Gegenstand auf, nicht als Thema. Eine Lithografie wird bewertet, beschrieben, eingestellt. Maße, Auflage, mögliche Preise werden festgehalten. Die Frage nach Authentizität bleibt offen.

Der Vorgang reiht sich ein. Der Außenraum meldet sich durch Störungen. Eine Ampel reagiert nicht, Fotos werden verschickt. Aktenzeichen, Telefonnummern, Zuständigkeiten sammeln sich. Ein Einsatzbericht zum Unfall wird angefordert. Fahrzeuge stehen still, Reparaturen werden geschätzt. Laufleistungen und Schäden werden notiert. Der medizinische Ablauf setzt sich fort. Überweisungen, Termine, Wartezeiten strukturieren die Tage. Radiologien, Servicestellen, Vermittlungscodes bilden ein Netzwerk aus Wegen. Blutwerte, Bilder, Formulare liegen vor oder werden erwartet.

Mein Körper bleibt der Bezugspunkt all dieser Bewegungen. Zwischen den Vorgängen laufen Videos, Musik, kurze Recherchen. Begriffe werden geklärt, ohne dass sich daraus etwas ergibt. Am Ende steht kein Abschluss, sondern eine dichte Abfolge von Tätigkeiten, Feststellungen und offenen Punkten, die nebeneinander bestehen.