Silberlinie





Tagebuchaufzeichnungen Teil 4

In der Nacht wird gegessen. Ein Spießbratenbrötchen, sehr gut. Dazu ein Glas eines bitteren Getränks. Videos laufen weiter, Musik, Gespräche über KI, Rhythmus und Raga, psychedelische Mischungen, politische Einschätzungen, alte Aufnahmen, orientalische Stimmen, wieder und wieder derselbe Song. Dazu wissenschaftliche Fragen nach Licht, Magnetismus und Grenzen des Messbaren.

Die Mischung bleibt bis in den Morgen. Am Tag wird eine Batterie für eine starke Taschenlampe bestellt. Der passende Akku liegt bereits bereit. Ein Ladegerät wird gesucht und gefunden. Danach Lebensmittel einkaufen, Schrauben besorgen. Ein Gedanke lässt nicht los: der parametrisierte Mensch. Eine Erklärung dazu existiert bereits in einem früheren Dialog. Eine neue Routine setzt sich durch. Nur noch Bargeld. Keine Karten. Das ist inzwischen verinnerlicht.

In der Nacht wird ein Film gebucht und angesehen. Ganz gut. Musik folgt, dann wieder Musik, Jazz, afrikanische Rhythmen, politische Satire, technische Fragen zum autonomen Fahren, alte und neue Videos im Wechsel. Wieder derselbe Song. Noch einmal. Es ist früh am Morgen, als der Schlaf einsetzt.

Am Tag ist es kalt. HP zieht sich sorgfältig an. Hemd, Pullover, winterfeste Jacke, eine wetterfeste Hose. Gefütterte hohe Stiefel. Der lange graue Schal. Für das E-Bike wird eine Sonnenbrille gewählt, eine von vielen. Der Akku ist voll. Die Handschuhe kommen zuletzt. Erst Fingerhandschuhe, dann die Fausthandschuhe. Ziel ist der Lebensmittelmarkt. In der Backzone gibt es einen Latte Macchiato und ein belegtes Brötchen. Die Bargeldroutine greift noch nicht vollständig. Es ist kein Geld in der Klammer. Also doch Karte. Danach Bargeld am Automaten. Die Klammer wird gefüllt. Zurück in den Markt. Viel Betrieb. Der Toilettenschlüssel klemmt. Eine Mitarbeiterin probiert es lange, bis er passt. Der Vorschlag eines neuen Schlosses wird abgetan.

Ein Lottoschein wird ausgefüllt. Drei Spiele. An der Kasse steht eine Frau mit einem vollen Einkaufswagen. Ein kurzer Austausch mit dem nächsten Kunden. Ironisch, freundlich. Draußen steht ein mobiler Grill. Ein Spießbratenbrötchen mit Zwiebeln wird bestellt, bar bezahlt, eingepackt. Ein Banner an einem Zaun fällt auf. Vergammelt. Ein Foto wird gemacht. Später soll darauf hingewiesen werden.

An einer Kreuzung erinnert sich HP zu spät an die neue Standardroute. Die Fahrt führt nun anders zurück. Über eine Bundesstraße, dann links, über Bach und Nebenwege. Der Anstieg ist spürbar. Der Vorderradmotor rutscht auf nasser Straße leicht durch. Das fühlt sich unsicher an. Gedanken über Antriebskonzepte. Über Winter. Über Kontrolle. Zu Hause angekommen entstehen neue Überlegungen. Strecken mit möglichst geringer Steigung sollen gefunden werden. Kartenmaterial wird genutzt. Höhenprofile werden angesehen. Mehrere Routen gespeichert. Screenshots gemacht, in einer Bildsoftware zusammengeführt, abgelegt. Im Wintergarten kriecht eine kleine Nacktschnecke über eine Ablage. HP hebt sie mit einer Gabel auf, öffnet die Tür und setzt sie auf der anderen Straßenseite ins Gras. Ein Lieferfahrzeug hält im Ort. Es wird angehalten. Eine Suppe wird gekauft und ins Gefrierfach gelegt.

Pakete kommen an. Eine Taschenlampe, sehr hell. Eine Hose, zu klein. Umtausch wird vorbereitet. Mehrere Tücher als Ersatz für alte. Weitere Büroklammern sind geliefert worden. Sehr viele. Ein Teil wird einsortiert, der Rest für eine andere Person zurückgelegt. Technische Magazine und eine kleine Flasche gehören dazu. Eine gemeinsame Fahrt und ein späteres Essen werden angedacht. Die alte Geldbörse wird gegen eine Lederklammer ausgetauscht. Karten, Scheine, Kleingeld. Ab jetzt ist sie immer dabei. Am Abend folgen Recherchen zu einem großen Romanzyklus. Ein langer Anruf mit einem alten Freund. Erinnerungen werden abgeglichen. Jahrzehnte tauchen auf. Das Gespräch dauert lange. Videos laufen weiter. Musik, Bewusstsein, Existenz, Alltag.

Eine neue Taschenlampe wird bestellt. Ein Fernseher erweist sich als mangelhaft und wird zurückgeschickt. Ein anderer wird bestellt. Ein Handyproblem stellt sich als verschmutzte Linse heraus. Ein kleiner Service, kostenlos. Dankbarkeit. Gedanken an Maßstäbe, an Kugeln, an Entfernungen. Hunger. Der Entschluss, Brot zu holen. Kleidung anziehen, Bike aktivieren. Handschuh ausziehen, Knöpfe drücken, Licht an, Unterstützung an. Ein verwittertes Schild weist den Weg. Die letzten Meter sind rau. Im Hof stehen geschnitzte Eulen. Ein Kind benennt sie falsch. Die Mutter korrigiert. HP bemerkt die zweite. Das Kind schaut. Pferde werden gestriegelt.

Am Schalter gibt es Kaffee, ein süßes Gebäck, ein Brot. Gespräche über mögliche Speisen. HP lehnt ab. Zucker wird genommen. Das Brot kommt in den Korb. Nasse Stühle, grauer Himmel. Keine Freude wie im Sommer. Beim Wegfahren ein Abschiedsgruß, dann eine Korrektur mitten im Satz. Das Bike zieht den Berg hinauf.

Zu Hause liegt ein Rücksendeetikett bereit. Morgen wird ein Karton gesucht. Weitere Gesichter werden mit einer KI generiert. Sie kommen auf einen Speicher. Später sollen sie gedruckt werden. Videos laufen weiter, über Beschleunigung, alte Reiche, Schlaf. Ein begonnenes Buch bleibt liegen. Es wird warten müssen.